Keine altersbedingte Benachteiligung im Sinne des AGG bei objektiver Nichteignung für einen Beruf

Der Beklagte macht einen Entschädigungsanspruch wegen Altersdiskriminierung bei einer Bewerbung geltend.

Die Beklagte ist ein Service-Unternehmen, welches hauptsächlich Großgeräte der Medizintechnik baut und wartet. Mittels einer Stellenanzeige suchte sie einen Servicetechniker im Innendienst. Das Aufgabenfeld umfasste die Reparatur und Kalibrierung von elektronischen Geräten sowie den telefonischen Kundensupport. Gefordert wurden von den Bewerbern eine Ausbildung zum staatlich geprüften Elektronik-Techniker oder eine vergleichbare Ausbildung sowie Praxiserfahrung mit elektronischen Geräten und im Umgang mit Kunden.

Der Kläger bewarb im Alter von 50 Jahren auf diese Stelle. Sein beruflicher Werdegang umfasst eine Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker und verschiedene Anstellungen auf diesem Gebiet. Neben seiner Eigenen reichte der Kläger auch eine fingierte Bewerbung eines fiktiven, 32-jährigen Kandidaten ein, dessen Lebenslauf unter anderem eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker, eine Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker, Tätigkeiten im IT-Bereich und Kunden-Service umfasst.

Der fiktive Bewerber wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, während der Kläger per Email eine Absage erhielt. Daraufhin machte er vor dem Arbeitsgericht Schadensersatzansprüche wegen Altersdiskriminierung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geltend. Das Arbeitsgericht gab dem Kläger recht und verurteilte die Beklagte zu einer Zahlung von 2000,- Euro. Der Kläger legte gegen dieses Urteil Berufung ein und forderte eine Entschädigung von mindestens 10.500,- Euro, da die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beklagten nicht ausreichend beachtet worden seien.

Die Beklagte beantragt die Berufung zurückzuweisen. Sie führt an, dass das Alter des Klägers bei der Entscheidung keine Rolle gespielt habe, er sei vielmehr weniger als der fiktive Bewerber für die Tätigkeit geeignet gewesen. So habe der Kläger beispielsweise bereits seit 17 Jahren keine Hardwareprüfung mehr durchgeführt oder Kontakt mit Kunden gehabt, während der fiktive Mitbewerber über aktuelle Berufserfahrung sowohl im technischen, als auch im Supportbereich verfüge. Darüber hinaus sei das von dem Kläger durchgeführte Testing-Verfahren rechtsmissbräuchlich.

Das LAG Schleswig-Holstein stellt fest, dass die Berufung unbegründet ist.

Zwar ist das Vorgehen des Klägers, eine fiktive Bewerbung einzureichen, nicht rechtsmissbräuchlich in dem Sinne, dass er sich durch Entschädigungen eine Einnahmequelle verschaffen will, da er tatsächlich eine Arbeit sucht und im Falle einer Zusage angetreten hätte, die Voraussetzungen für einen Entschädigungsanspruch nach dem AGG liegen aber nicht vor. Ein solcher erfordert, dass der abgelehnte Kläger objektiv gleich geeignet wie sein Mitbewerber ist, er aber auf Grund einer diskriminierenden Kriteriums bei der Bewerbung benachteiligt wurde.

Die Stellenanzeige ist altersneutral formuliert. Alleine das Bestehen eines Altersunterschiedes zwischen zwei Bewerbern stellt kein ausreichendes Indiz für eine Diskriminierung dar.

Der Kläger ist mit seinem fiktiven Mitbewerber nicht vergleichbar, da letzterer eine deutlich höhere Qualifikation aufweist. Die Erfahrungen des Klägers liegen allesamt deutlich weiter zurück als die seines fiktiven Konkurrenten, wodurch nicht anzunehmen ist, dass er mit dem aktuellen Stand der Technik vertraut ist.

Auch entspricht der fiktive Bewerber auf Grund seiner einschlägigen und aktuellen Erfahrung in der Kundenbetreuung der Stellenausschreibung besser als der Kläger.

Zu berücksichtigen ist darüber hinaus, dass der Kläger bereits Jahre zuvor eine Absage für dieselbe Stellung erhalten hat. Schon damals, als die erworbenen Erfahrungen fünf Jahre weniger zurücklagen, erachtete die Beklagte ihn für die Tätigkeit als nicht geeignet.

Urteil Az. 3 Sa 401/13 LAG Schleswig-Holstein vom 09.04.2014