FAQ Einstellungsgespräch – Schwangerschaft, unzulässige Fragen, Behinderungen

Darf eine Bewerberin wegen einer bereits vorhandenen Schwangerschaft lügen?

Ist die Bewerberin zum Zeitpunkt des Bewerbungsgesprächs bereits schwanger und verschweigt diese Tatsache bei der Frage nach der Familienplanung oder lügt sogar, braucht sie mit keinerlei Konsequenzen zu rechnen. Das liegt daran, dass sie vermutlich sehr wenig Chancen auf den Job hätte, wenn der Personalverantwortliche wüsste, dass sie gleich zu Beginn der Tätigkeit aufgrund der Schwangerschaft ausfallen wird.

Dies stellt eine Ungleichbehandlung (Diskriminierung) aufgrund des Geschlechts dar und ist deshalb mit dem AGG nicht vereinbar. Deshalb darf sie sogar dann lügen, wenn die Schwangerschaft dafür sorgt, dass sie zum geplanten Einstiegstermin (Evtl. wegen der Art des Berufs) gar nicht arbeiten darf / kann (BAG Urteil vom 06.02.2003-2 AZR 621/01).

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Können unzulässige Fragen in Ausnahmefällen doch zulässig sein?

Gelogen werden darf nur auf unzulässige Fragen. Einige Fragen, die normalerweise unzulässig wären, sind in Ausnahmefällen aber manchmal zulässig. Die Fragen können dann zulässig sein, wenn sie zur Durchführung der angestrebten Tätigkeit von Bedeutung sind. Beispiel:
Bei Tätigkeiten für Parteien oder kirchliche Einrichtungen stellen Fragen zur politischen Einstellung oder zur religiösen Einstellung keine unzulässigen Fragen dar, obwohl sie das im Normalfall sind. Da es sich dabei in dem speziellen Fall aber nicht um unzulässige, sondern um zulässige Fragen handelt, müssen diese Fragen dann auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Wenn der Bewerber in diesen Fällen lügt, kann der Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung angefochten werden.

Auch Fragen über die Vermögensverhältnisse oder etwaige Vorstrafen dürfen in Ausnahmefällen gestellt werden, wenn sie für den speziellen Arbeitsplatz besonders relevant sind; z.B. wenn der Bewerber die Verantwortung über größeres Vermögen bekommen soll.

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Darf der Arbeitgeber nach einer vorhandenen Behinderung fragen?

Die Frage nach einer Behinderung ist nur dann gestattet, wenn es sich um eine Schwerbehinderung handelt. In diesem Fall muss der Bewerber diese wahrheitsgemäß beantworten. Fragen nach anderen Behinderungen, die keine Schwerbehinderung darstellen, dürfen grundsätzlich nicht gestellt werden, es sei denn sie sind für die Tätigkeit besonders relevant.

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