Benachteiligung durch Erfordernis „guter Deutschkenntnisse“?

Die Parteien streiten über einen Entschädigungsanspruch wegen behaupteter Benachteiligung bei einer Stellenbewerbung.

Die Klägerin wurde 1961 in der Sowjetunion geboren, wo sie studierte und anschließend als Programmiererin tätig war. Sie übersiedelte um die Jahrtausendwende nach Deutschland und war dort als Anwendungsentwicklerin und Programmiererin beschäftigt. Seit 2003 ist sie arbeitslos. Sie verfügt über sehr gute Deutschkenntnisse.

Am 13.09.2010 bewarb sich die Klägerin bei der Beklagten auf eine Stelle als „Spezialist Softwareentwicklung“. Neben fachlichen Kenntnissen wurde in der Stellenanzeige unter anderem auch ein sehr gutem Deutsch von den Bewerbern gefordert.

Mit Email vom 28.09.2010 erhielt die Klägerin eine Absage.

Die Klägerin forderte in der ersten Instanz von der Beklagten Entschädigung wegen unzulässiger Benachteiligung. Das Arbeitsgericht wies die Klage ab, da eine Diskriminierung nicht hinreichend dargelegt wurde. Gegen dieses Urteil legt die Klägerin Berufung ein.

Sie trägt vor, auf Grund ihrer ethnischen Herkunft benachteiligt worden zu sein. So erfordere die Tätigkeit als Programmierer keine sehr guten deutschen Sprachkenntnisse. Dies gälte auch, da die Fachsprache weitgehend aus englischen Begriffen bestehe. Die Klägerin behauptet, für die Position fachlich qualifiziert zu sein.

Die Beklagte hält dem entgegen, dass die ausgeschriebene Tätigkeit nicht nur das Programmieren, sondern darüber hinaus auch Kundenkontakt sowie die Durchführung von Meetings und Präsentationen umfasse. Dafür sei ein sehr gutes Deutsch unabdingbar. Die Beklagte trägt vor, davon auszugehen, dass die Klägerin die deutsche Sprache sehr gut beherrsche. Sie sei auf Grund anderer, fachlicher Faktoren abgelehnt worden. So reiche ihre Erfahrung im Bereich der C++-Programmierung nicht aus. Außerdem liege ihre letzte Anstellung in der Softwarebranche zu weit zurück. Die Beklagte macht des Weiteren geltend, dass von den achtzehn Mitarbeitern, welche sie in vergleichbaren Positionen beschäftige, 9 über einen Migrationshintergrund verfügten.

Das Landesarbeitsgericht Nürnberg gibt der Berufung nicht statt. Zur Begründung wird angeführt, dass auch wenn angenommen wird, die Klägerin sei dadurch benachteiligt, nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden zu sein, diese Benachteiligung nicht in ihrer ethnischen Herkunft begründet ist.

Ausreichen würde dabei bereits, wenn die Herkunft der Klägerin Bestandteil eines Motivbündels wäre, welches die Entscheidung ihrer Ablehnung beeinflusst hätte. Dies ist aber nicht ersichtlich. Das Merkmal „sehr gutes Deutsch“ sagt nichts über eine bevorzugte ethnische Herkunft der Bewerber aus, sondern betrifft alleine die sprachliche Qualifikation. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Menschen deutscher Abstammung eher über ein sehr gutes Deutsch verfügen als andere.

Aus der Stellenanzeige geht hervor, dass die Anforderung nach sehr guten deutschen Sprachkenntnissen keine diskriminierende, sondern praktische Gründe hat. So solle der Bewerber deutschlandweit einsetzbar sein und an andere Unternehmen ausgeliehen werden können. Da Kommunikation ein wichtiger Aspekt der ausgeschriebenen Stelle ist, durfte die Beklagte mit ihrer Stellenausschreibung Personen suchen, welche in der Lage sind, sich auf hohem sprachlichen Niveau mit mit Kollegen, Kunden und anderen Unternehmen auszutauschen.

Urteil Az. 2 Sa 171/11 LAG Nürnberg vom 05.10.2011